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Kurs A: Diesseits von Gut und Böse. Grundlagen einer zeitgemäßen Ethik

Kursleitung: Dr. Frithjof Reinhardt, Institut für Philosophie und Kulturgeschichte
> Detailliertes Kursprogramm

In einer „Welt voller Übel“ (Vossenkuhl) geht es in der Ethik darum, das Handeln der Menschen zu orientieren. Dabei ist die Klage über die verkommene Moral fast so alt wie die Menschheit selbst und hat gerade in Umbruchzeiten (und vieles spricht dafür, dass wir gerade eine solche durchleben) Konjunktur. Es gibt aber keine unmoralischen Zeiten! Wohl aber artikuliert sich seit Jahrhunderten in Äußerungen dieser Art die Unzufriedenheit über die gelebte Moral. Es zeigt sich darin die Differenz zwischen Idealen und der Realität, zwischen Traum und Wirklichkeit.

Am Beginn der Moderne wurde im Kontext der Weimarer Klassik, des Deutschen Idealismus und der Romantik versucht, eine allgemein gültige Antwort auf die Frage nach dem Guten zu geben, die die Diskussion der folgenden Jahrhunderte bis in die Gegenwart hin bestimmt. Schopenhauer und Nietzsche, noch im Bannkreis der „Alten“ stehend, waren ihre ersten Kritiker und sahen sich ‚jenseits von Gut und Böse’ - Hannah Arendt wird diese Frage angesichts von Auschwitz und Buchenwald erneut aufgreifen. Die Ethik ist das theoretische Schlachtfeld für die Auseinandersetzung über diese und sich damit verbindende Fragen.

Vom Plädoyer für eine „zweite Philosophie“ bis zum Ethikboom der Gegenwart sind nur einige Jahrzehnte vergangen. Ethikkommissionen und Ethikbeiräte sind allgegenwärtig. Gerade in der Medizin gewinnen die ethischen Fragen eine bislang unbekannte Dringlichkeit. Dass alle Philosophie künftig in die Ethik fallen wird, haben schon Hölderlin, Schelling und Hegel vorausgeahnt. Dabei zeigt sich immer wieder, dass die Beschäftigung mit ethischen Fragestellungen ohne Bezug auf ihre Begründungen bzw. Begründungsversuche um 1800 substanzlos erscheinen.

Wir wollen uns deshalb ausgewählten Fragen der ethischen Debatte um 1800 zuwenden, wobei wir immer wieder den Bezug zur Gegenwart und ihren ethischen (u.a. medizinethischen) Debatten herstellen werden. Diesseits meint, die gewohnten „Werthgefühle“ und deren Kritik ernst zu nehmen, nicht nur den Widerspruch zu artikulieren, sondern ihn zu thematisieren und ihn auszuhalten, d.h. seiner Dialektik nachzuspüren. Goethes Konzept der „Wiederholten Spiegelungen“ wird dabei fruchtbar zu machen sein. Der Kurs soll letztlich prüfen, welche Anregungen aus den Debatten um 1800 für die Ethik im 21. Jahrhundert genutzt werden könnten und sollten.